Sehprobleme und Sehschwächen erkennen

Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus & Co.: Welche Fehlsichtigkeiten gibt es, was hilft?

Ob kurzsichtig, weitsichtig oder alterssichtig: Verschlechterungen der Augen, Sehprobleme und Fehlsichtigkeiten können sich auf vielfältige Weise ausprägen. Betroffene spüren meist nur schleichend, manchmal aber auch sehr plötzlich: Die Sehkraft lässt nach, die visuelle Wahrnehmung strengt immer mehr an. Bei Kurzsichtigkeit fällt das Sehen in die Ferne schwer, bei Weitsichtigkeit im Nahbereich. Auch digitales Sehen und der Blick auf Smartphone, Laptop und Co. beeinflussen unsere Sicht, verändern unsere Sehgewohnheiten. So beklagen immer mehr Menschen digitalen Sehstress oder Sehprobleme beim Autofahren. BESSER SEHEN erklärt: Welche Sehprobleme und Sehschwächen gibt es, wo liegen die Ursachen – und was verhilft wieder zu optimaler Sicht?

Es gibt eine Vielzahl von Sehproblemen und Fehlsichtigkeiten. Die meisten davon sind weitgehend harmlos und lassen sich mit der richtigen Brille korrigieren: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit und Hornhautverkrümmung (auch Stabsichtigkeit oder Astigmatismus genannt) zählen beispielsweise dazu. Um diese normalen Sehdiagnosen geht es in diesem Artikel. Aber es gibt auch spezifische Befunde, die unter Umständen nur mit Hilfe einer Operation gelöst werden können.

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Wie macht sich Kurzsichtigkeit bemerkbar?
Wer kurzsichtig ist, sieht entfernte Objekte verschwommen. Gegenstände in der Nähe können hingegen scharf wahrgenommen werden.

Welche Ursachen hat Kurzsichtigkeit?
Für Kurzsichtigkeit gibt es verschiedene Ursachen. Die häufigste: ein zu langer Augapfel (Achsenmyopie). Dadurch wird einfallendes Licht nicht direkt auf, sondern bereits vor der Netzhaut gebündelt. Die Folge: Der betrachtete Bereich erscheint unscharf. Seltener hingegen ist die Brechungsmyopie. Bei dieser Form der Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zwar normal lang. Hornhaut oder Linse sind aber übermäßig stark gekrümmt, weshalb auch hier das Bild nicht auf, sondern vor der Netzhaut entsteht – und somit unscharf wahrgenommen wird. Übrigens: Die Bezeichnung „Myopie“ leitet sich vom griechischen „Myops“ ab, was übersetzt „Blinzelgesicht“ bedeutet. Viele Kurzsichtige ohne Sehhilfe kneifen beim Blick in die Ferne nämlich die Augen zusammen, um Entferntes vorübergehend scharf zu sehen – daher der Ausdruck.

Übrigens: Wussten Sie, dass 21 Prozent aller Menschen weltweit kurzsichtig sind? Kurzsichtigkeit ist somit eine der häufigsten Fehlsichtigkeiten überhaupt.

Was hilft bei Kurzsichtigkeit?
Bei Kurzsichtigkeit helfen in der Regel eine optimal angepasste Fernbrille oder Kontaktlinsen, um auch auf Distanz wieder scharf zu sehen. Ihr Augenoptiker kann anhand eines Sehtests schnell herausfinden, ob Sie kurzsichtig sind, und entsprechende Sehhilfen anbieten. Auch mit refraktiver Laserchirurgie ist es möglich, Myopie, Hyperopie und Astigmatismus zu korrigieren.

Weitsichtigkeit (Übersichtigkeit, Hyperopie oder Hypermetropie)

Wie macht sich Weitsichtigkeit bemerkbar?
Die Sicht im Nahbereich wird als anstrengend empfunden. Weitsichtige nehmen Gegenstände in der Nähe meist verschwommen wahr. Nach langem Lesen, beim Heimwerken oder Bildschirmarbeiten ohne Sehhilfe treten häufig Kopfschmerzen auf. Wer weitsichtig ist, kann zwar in der Ferne scharf sehen, die Umstellung von Nah- auf Weitsicht dauert aber oft eine gewisse Zeit.

Welche Ursachen hat Weitsichtigkeit?
Häufigste – und fast immer angeborene – Ursache für Weitsichtigkeit ist ein zu kurzer Augapfel (Achsenhyperopie). Dadurch bildet das entspannte weitsichtige Auge Objekte in der Nähe nicht auf, sondern erst hinter der Netzhaut ab, weshalb diese unscharf erscheinen. Deutlich seltener ist die Brechungshyperopie: Hier weist das Auge zwar eine normale Länge auf, Hornhaut oder Linse sind aber nicht ausreichend gekrümmt, um in der Nähe scharfe Sicht zu ermöglichen. Der gleiche Effekt entsteht, wenn eine Augenlinse fehlt. Dies kann angeboren, aber auch Folge eines Unfalls oder einer Erkrankung sein.

Was hilft bei Weitsichtigkeit?
Weitsichtigkeit lässt sich in der Regel mit Einstärkengläsern, einer Lesebrille oder optimal angepassten Kontaktlinsen korrigieren, um auch im Nahbereich wieder scharf zu sehen. Ihr Augenoptiker kann anhand eines Sehtests schnell herausfinden, ob Sie weitsichtig sind, und entsprechende Sehhilfen anbieten.

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Wie macht sich Alterssichtigkeit bemerkbar?
Kleingedrucktes lässt sich nur schwer entziffern, Texte müssen weiter weggehalten werden, um sie scharf sehen zu können. Das Lesen bei schlechter Beleuchtung strengt übermäßig an, Symbole und Text auf dem Smartphone-Display wirken verschwommen, der Wechsel zwischen Fern- und Nahsicht fällt immer schwerer. Die Symptome der Alterssichtigkeit gleichen zwar denen der Weitsichtigkeit. Die Alterssichtigkeit trifft allerdings jeden Menschen ab dem 40. Lebensjahr, da auch die Augenmuskeln älter werden. Bei manchen äußert sich dies früher, bei anderen später. Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit sind hingegen fast immer genetisch bedingt.

Welche Ursachen hat Alterssichtigkeit?
Alterssichtigkeit entsteht durch natürliche Veränderungen im Auge, meist ab dem 40. Lebensjahr: Die Linse verliert ihre Elastizität, kann sich deshalb nicht mehr richtig auf unterschiedliche Entfernungen scharf stellen, wodurch vor allem das Lesen im Nahbereich immer schwerer fällt.

Was hilft bei Alterssichtigkeit?
Menschen mit Alterssichtigkeit – ohne zusätzliche Sehprobleme wie Kurz- oder Weitsichtigkeit – verhilft in der Regel eine Einstärkenbrille für die Nähe oder die Ferne zu optimalem Sehen. Für kurzsichtige oder weitsichtige Brillenträger mit Alterssichtigkeit hingegen ist eine Gleitsichtbrille meist die beste Lösung: Sie verfügt über unterschiedlich stark korrigierende Bereiche im Brillenglas, ermöglicht so gestochen scharfe Sicht auf jede Distanz, von nah bis fern. Auch multifokale Kontaktlinsen bzw. Gleitsichtkontaktlinsen kommen zur Korrektur einer Alterssichtigkeit in Frage. Ihr Augenoptiker kann anhand eines Sehtests ermitteln, ob Sie alterssichtig sind, und entsprechende Sehhilfen anbieten.

Hornhautverkrümmung (Stabsichtigkeit, Astigmatismus)

Wie macht sich eine Hornhautverkrümmung bemerkbar?
Gegenstände im Nah- und Fernbereich werden verzerrt und unscharf wahrgenommen, Details gehen verloren, punktförmige Lichtquellen erscheinen als Strich oder Stab – daher auch der Name Stabsichtigkeit. Vielen Betroffenen fällt es zudem schwer, Entfernungen korrekt einzuschätzen.

Welche Ursachen hat eine Hornhautkrümmung?
Ein Astigmatismus infolge einer Hornhautverkrümmung ist meist angeboren. Bei Betroffenen krümmt sich die Hornhaut in verschiedene Richtungen unterschiedlich stark, wodurch der „einheitliche“, unverzerrte Seheindruck verloren geht. In den meisten Fällen tritt dieser Astigmatismus gleichzeitig mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf.

Was hilft bei einer Hornhautverkrümmung?
Eine Hornhautverkrümmung lässt sich mit einer Brille, Kontaktlinsen oder einer Operation korrigieren. Bei einer Hornhautverkrümmung werden die ausgewählten Brillengläser mit einem sogenannten Zylinder versehen. Ob Ihre Brillengläser über einen solchen Zylinder verfügen, können Sie an Ihren Brillenglaswerten ablesen: Zylinder sind dort mit der Abkürzung „cyl“ gekennzeichnet. Ein Zylinder gleicht das verzerrte Sehbild aus und ermöglicht so wieder einen normalen Seheindruck. Abhängig von der Ausprägung des Astigmatismus kommen auch weiche oder formstabile Kontaktlinsen in Frage – sogenannte torische Kontaktlinsen. Diese verfügen ebenfalls über einen eingearbeiteten Zylinder, gleichen so die gekrümmte Oberfläche aus. Sie werden auch als astigmatische oder zylindrische Kontaktlinsen bezeichnet. Hier gilt ebenfalls: Ihr Augenoptiker verfügt über das nötige Fachwissen und Equipment, um Ihnen die ideale Sehhilfe anzubieten. Ist die Korrektur mit Brille oder Kontaktlinsen nicht möglich, kann ein Astigmatismus auch mit einer Operation behoben werden. Je nach Diagnose empfiehlt Ihr Augenarzt die für Sie beste Operationsmethode.

 

Source: ZEISS